| Veranstaltung: | 119. Vollversammlung des Landesjugendringes Rheinland-Pfalz e.V. |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | Konferenzteil |
| Status: | Beschluss |
| Beschlossen am: | 21.03.2026 |
| Antragshistorie: | Version 2 |
TOP 7.2 Mentale Gesundheit junger Menschen in den Fokus rücken!
Beschlusstext
Antragsteller:
- Landesjugendring Rheinland-Pfalz e. V.
Adressat*innen:
- Landesregierung
- Landespolitik
Position
Einsamkeit, Leistungsdruck, Armut, fehlende Unterstützung sowie Aufwachsen in
Krisen, wie z. B. Kriege, Klimaschäden und Zukunftsängste – all das sind
Faktoren, die die psychische Gesundheit junger Menschen aktiv gefährden. Dem
gegenüber steht eine unzureichende Versorgung mit Hilfsangeboten – insbesondere
in Rheinland-Pfalz. Der Kindergesundheitsbericht 2025 der Stiftung
Kindergesundheit warnt vor immer weiter steigenden psychischen Belastungen und
zeigt auf, dass die Versorgungslage an Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen
in Rheinland-Pfalz besonders prekär ist.1 Rheinland-Pfalz belegt bundesweit den
letzten Platz!
Vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Entwicklung der Absenkung von
Honoraren für Psychotherapeut*innen problematisch. Bereits die Ausbildung ist
mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Zudem ist der Erwerb eines
Kassensitzes mit hohen strukturellen und finanziellen Hürden verbunden, ebenso
wie dessen langfristige Aufrechterhaltung.
Eine Reduzierung der Vergütung birgt das Risiko, die wirtschaftliche
Tragfähigkeit bestehender Praxen weiter zu beeinträchtigen. Es besteht die
Gefahr, dass sich die Versorgungssituation weiter verschlechtert, da bestehende
Kapazitäten nicht gehalten werden können.
Es braucht dringend nachhaltige Verbesserungen in den Hilfsangeboten für junge
Menschen!
Daher fordern wir:
- Eine flächendeckende Versorgung durch Kinder- und
Jugendpsychotherapeut*innen, insbesondere auch im ländlichen Raum, ergänzt
durch entsprechende Angebote der psychosozialen Versorgung.
- Einen Ausbau digitaler Hilfsangebote.
- Hilfsangebote, die zeitnah und unabhängig von der finanziellen Situation
in Anspruch genommen werden können.
- Präventionsangebote, die auf die Entwicklungsphasen der Kinder und
Jugendlichen abgestimmt sind (siehe Kindergesundheitsbericht 2025).
- Finanzielle Absicherung zur Sicherstellung von Hilfsangeboten, u. a. durch
auskömmliche Honorare für Therapeut*innen.
- Entstigmatisierung des Themas "Mentale Gesundheit" durch flächendeckende
Aufklärung.
- Das Mitdenken und Versorgen junger Menschen durch die Politik in allen
Bereichen, insbesondere wenn junge Menschen direkt betroffen sind.
Begründung
Begründung:
Kinder und Jugendliche sind heutzutage vielfältigen Stressoren ausgesetzt, die
Druck auf ihre mentale Gesundheit ausüben. Neben stetig steigendem
Leistungsdruck, den Bewertungen aus sozialen Medien, Nachrichten zu Konflikten
und Kriegen, Klimawandel, einem angespannten Arbeits- und Wohnungsmarkt,
aufsteigendem Rechtspopulismus und einer immer tiefergreifenden Spaltung der
Gesellschaft sind auch noch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie spürbar. Noch
immer steht es um die psychische Gesundheit junger Menschen schlechter als vor
der Corona-Pandemie.2 Junge Menschen haben einen großen Teil ihrer Kindheit und
Jugend in Isolation verbracht, von der sie sich teilweise bis heute noch nicht
erholen konnten. Das Wohlbefinden wird zwar nicht mehr direkt durch die Corona-
Pandemie beeinträchtigt, aber an ihre Stelle treten diverse Ängste, ausgelöst
durch Kriege und die Klimakrise.2
In Rheinland-Pfalz ist die psychische Versorgungslage bundesweit besonders
schlecht für junge Menschen. Der Kindergesundheitsbericht 2025 warnt vor
kontinuierlich steigenden psychischen Belastungen und sieht bundesweit einen
„erhebliche[n] Bedarf an Weiterentwicklung“. Fatal ist, dass Rheinland-Pfalz die
niedrigste Dichte für Fachärzt*innen aufweist und hier damit die Lage besonders
angespannt ist.1 Insbesondere in ländlichen Gebieten fehlt es an zeitnah
verfügbaren und örtlich erreichbaren Angeboten.
Dabei sind besonders die Kinder und Jugendlichen betroffen, die sozioökonomisch
benachteiligt sind.2 Auch Einsamkeit spielt in diesem Kontext eine große Rolle
und betrifft vermehrt Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte,
Behinderung, Armutsgefährdung oder nicht cis-geschlechtlicher heterosexueller
Identität.3 Nicht zu vernachlässigen sind auch die psychischen Belastungen,
denen Kinder- und Jugendliche mit eigener oder familiärer Fluchterfahrung
ausgesetzt sind. Im Hinblick auf psychologische Hilfsangebote müssen diese
Faktoren berücksichtigt werden, um sie zugänglich und wirksam ausgestalten zu
können.
Es müssen Hürden abgebaut werden, um psychische Hilfsangebote niedrigschwellig
in Anspruch nehmen zu können. Auch das Elternhaus und die Lebensumstände dürfen
kein Hinderungsgrund für Kinder und Jugendliche sein, adäquate psychologische
Hilfe zu bekommen. Das bedeutet, dass folgende Punkte umgesetzt werden müssen:
- Hilfsangebote müssen zeitnah in Anspruch genommen werden können, und es
dürfen keine langen Wartezeiten entstehen. Hierfür müssen ausreichend
Fachpersonal und vielfältige Angebote bereitstehen.
- Die Anzahl der Kassensitze für Psychotherapeut*innen (insbesondere im
ländlichen Raum) muss ausgebaut werden, um Wartezeiten zu verringern und
eine bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten.
- Hilfsangebote müssen erreichbar sein. Dafür braucht es mehr Fachpersonal,
vor allem im ländlichen Raum. Zudem muss der Anfahrtsweg gewährleistet
werden (z. B. Kostenübernahme).
- Digitale Hilfsangebote müssen ergänzend ausgebaut werden.
- Es braucht Präventionsangebote, die auf die Entwicklungsphasen der Kinder
und Jugendlichen abgestimmt sind (siehe Kindergesundheitsbericht 2025).
- Hilfsangebote dürfen für die Familien keine finanzielle Belastung sein.
- Über Hilfsangebote muss ausreichend informiert werden.
Neben der reinen Information über psychologische Hilfsangebote für die
betroffenen Kinder und Jugendliche braucht es eine gesellschaftliche
Entstigmatisierung von ihrer Inanspruchnahme. Die Sensibilisierung der
Gesellschaft für psychische Krankheiten bewirkt, dass sich Betroffene weniger
zurückziehen, eher auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden und sich eher
Unterstützung holen. Dabei hilft dies nicht nur den betroffenen Kindern und
Jugendlichen selbst. Unbehandelte psychische Erkrankungen führen zu sozialem
Rückzug, gesellschaftlichen Folgekosten und verstärkter gesellschaftlicher
Isolation. Eine frühzeitige Unterstützung bedeutet, dass Menschen wieder am
sozialen, beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können – was eine
Grundlage für Zusammenhalt und gemeinschaftlichen Wohlstand ist. Dazu zählt
auch, dass es Präventi-onsangebote braucht, die auf die Entwicklungsphasen von
Kindern und Jugendlichen abgestimmt sind (siehe Kindergesundheitsbericht 2025).
Um die Lage nicht weiter zu verschärfen, ist es außerdem wichtig, dass die
Politik nicht nur kurativ auf die psychologischen Bedürfnisse junger Menschen
eingeht, sondern in politischen Fragen, die die jungen Menschen betreffen, diese
auch an Entscheidungen teilhaben lassen. Es macht einen Unterschied in der
Krisenbewältigung, ob junge Menschen an der Lösungsfindung beteiligt werden oder
ob sie als passive Akteur*innen nur von den politischen Entscheidungen betroffen
sind. Besonders im Hinblick auf Bundesthemen wie Wehrpflicht und Rente zeigt
sich, dass Lösungen auf dem Rücken junger Menschen ausgetragen werden, die
dennoch oft nicht an der Lösungsfindung beteiligt werden.
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1 Stiftung Kindergesundheit. (2025). Kindergesundheitsbericht 2025:
Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen [Bericht]. Stiftung
Kindergesundheit. https://www.kindergesundheit.de/Die-
Stiftung/Kindergesundheitsberichte/Kindergesundheitsbericht_2025.php
2 COPSY. (2024, 4. Dezember). Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
durch globale Krisen belastet [Pressemitteilung]. Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf (UKE).
https://www.uke.de/allgemein/presse/pressemitteilungen/detailseite_160448.html
3 Berngruber, A., Hasenbein, L., & Steiner, C. (2023). Einsamkeit im Jugend- und
jungen Erwachsenenalter [AID:A Factsheet]. Deutsches Jugendinstitut.
https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/aida/2023/Factsheet_Einsamkeit_AIDA_fin-
alde/fileadmin/user_upload/aida/2023/Factsheet_Einsamkeit_AIDA_finalde/fileadmin-
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